Hypergamie

hy·per·ga·mie (hīˈpərɡəmē)
n. das Heiraten einer Person, die einer höheren Klasse oder Kaste angehört.

Was ist Hypergamie?

Hypergamie ist der Begriff, mit dem Sozialwissenschaftler das Phänomen bezeichnen, dass Frauen bei der Partnerwahl Reichtum oder sozialen Status bevorzugen. Hypergamie wird gemeinhin als „Trading-up” oder „Hinaufheiraten“ bezeichnet. Es gibt eine Vielzahl von Forschungsergebnissen, die die Annahme unterstützen, dass Hypergamie eine große Rolle bei der weiblichen Partnerwahl spielt. Das Wissen um diese weibliche Fortpflanzungsungspräferenz hat eine moralische Panik ausgelöst, die sich bei näherer Betrachtung als ungerechtfertigt erweist.

Wie lässt sich Hypergamie erklären?

Die zwei besten Erklärungen für Hypergamie kommen aus der Evolutionspsychologie und der Theorie des sozialen Lernens.

01

Die Erklärung der Evolutionspsychologie besagt, dass Hypergamie eine psychologische Tendenz ist, die durch evolutionäre Anpassung entsteht. Die evolutionären Vorteile der Fortpflanzung mit Männern in gesellschaftlich vorteilhaften Positionen liegen auf der Hand: Männer in sozial vorteilhaften Positionen haben die besseren Voraussetzungen, um eine gedeihende Nachkommenschaft hervorzubringen. Wenn die Erklärung aus der Evolutionspsychologie richtig ist, sind Frauen natürlich dazu prädisponiert, Männer mit höherem sozialen oder wirtschaftlichen Status attraktiver zu finden.

02

Die Theorie des sozialen Lernens geht in ihrer Erklärung für Hypergamie davon aus, dass die Präferenz für Männer mit höherem Status eher angelernt als vererbt wird. Es gibt in der sozialen Lerntheorie mehrere Ansätze, um Hypergamie zu erklären. Am häufigsten kommen auf der Theorie des sozialen Lernens basierende Erklärungen für Trading-up zu dem Schluss, dass Frauen aufgrund von geschlechterbasierten sozialen Ungleichheiten wohlhabende Männer bevorzugen. Im Wesentlichen lernen Frauen, Männer mit höherem Status zu bevorzugen, da sie sich in einer Gesellschaft entwickeln, in der sie wenige Aufstiegschancen besitzen.

Existierende Daten unterstützen sowohl Erklärungen aus der Evolutionspsychologie als auch aus der sozialen Lerntheorie. Es ist also wahrscheinlich, dass die Erklärung aus der Evolutionspsychologie oder die der Theorie des sozialen Lernens oder eine Mischung aus beiden korrekt ist.

Ist Hypergamie schlecht?

Die häufigste Kritik, die gegen Hypergamie erhoben wird, ist, dass es „Gold Digging“ gleichkommt. Beim Gold Digging geht eine Person eine Beziehung ein, um vom Geld ihres Partners zu profitieren. Wenn jedoch die Anzeichen dafür, dass Frauen Männer von höherer ökonomischer oder sozialer Klasse präferieren, der Wahrheit entsprechen, gibt es eine klare Trennung zwischen konventioneller Hypergamie und Gold Digging. Wenn Frauen Reichtum und sozialen Status bei der Partnerwahl wirklich wertschätzen, dann ist das Hinaufheiraten nur ein Ausdruck der Präferenz. Ist die Präferenz einer Frau für finanziell oder sozial erfolgreiche Männer schlechter als andere Kriterien für die Partnerwahl? Scheinbar nicht. Es wäre zum Beispiel widersprüchlich, negativ über Frauen zu denken, die vom sozialen Status angezogen werden, während akzeptiert wird, dass Frauen von physischer Attraktivität angezogen werden.

Bei genauerer Betrachtung ist nicht mehr klar zu erkennen, weshalb Menschen Hypergamie so negativ sehen. Dieser Widerspruch wird noch deutlicher, wenn man die Auswirkungen der Hypergamie auf die relevanten Parteien betrachtet. Die primären Interessengruppen, die bei der Bewertung von Hypergamie zu berücksichtigen sind, sind die Frauen, die ein Trading-up eingehen, und die Männer, die sie begehren.

Die Perspektive der Frau

Wie bereits erwähnt, ist das Trading-up aus der Perspektive der hypergamen Frau ein Ausdruck der Präferenz. Während Außenstehende einer Frau, die sich zu erfolgreichen Männern hingezogen fühlt, unterstellen mögen, es sei „des Geldes wegen“, sehen diejenigen, die sich zu erfolgreichen Männern hingezogen fühlen, dies nicht so. Wenn eine Frau ein Trading-up eingeht, tut sie dies aufgrund einer echten Anziehung, die auf den wirtschaftlichen oder sozialen Status zurückzuführen ist.

Die Perspektive des begehrten Mannes

Der begehrte Mann, der eine Beziehung mit einer hypergamen Frau eingeht, tut dies, weil er sich zu dieser Frau hingezogen fühlt. Der begehrte Mann handelt entsprechend seinen Vorlieben bei Frauen, so wie die hypergame Frau entsprechend ihrer Vorlieben bei Männern handelt. Es ist nun einmal so, dass Männer im Allgemeinen großen Wert auf körperliche Attraktivität legen, während Frauen im Allgemeinen großen Wert auf wirtschaftlichen und sozialen Status sowie auf körperliche Attraktivität legen. Während Außenstehende denken könnten, dass ein Mann, der sich für eine Beziehung mit einer hypergamen Frau entscheidet, ausgenutzt wird, ist diese Annahme falsch. Der begehrte Mann ist in der Lage, eine Partnerin auszuwählen, die seinen Vorlieben entspricht, weil er begehrenswerte Eigenschaften besitzt.

Was ist eine angemessene Reaktion auf Hypergamie?

Anstatt Frauen zu verunglimpfen, die Hypergamie eingehen, und Männer zu verteufeln, die davon profitieren, betrachten Sie das Trading-up als eine Lösung für den komplexen Vorgang der Partnerwahl. Diese Ansicht wurde kürzlich in Folge Nr. 1139 des „Joe Rogan Experience Podcasts“ von Dr. Jordan Peterson, einem anerkannten Professor für Psychologie, geäußert. Dr. Peterson beschrieb Hypergamie als eine brillante, marktorientierte Lösung für das Problem der Partnerwahl und fügte hinzu, dass sie „anscheinend unsere evolutionäre Abkehr von den Schimpansen vorangetrieben hat“.

Moralische Empörung als Reaktion auf Hypergamie ist eine kurzsichtige Reaktion auf ein natürlich vorkommendes und weitgehend vorteilhaftes Phänomen. Es ist nichts Falsches daran, wenn eine erwachsene Frau ihrer natürlichen Vorliebe für erfolgreiche Männer nachgeht, und es ist nichts Falsches daran, wenn ein erwachsener Mann eine Beziehung mit einer Frau genießt, die sich zu seinem Status hingezogen fühlt.

Die ideale Beziehung ist eine für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung zwischen zwei Personen. Frauen sollten selbstbestimmt Beziehungen suchen können, die ihren Präferenzen entsprechen. Hypergamie ist eine gesunde und natürliche menschliche Erscheinung, die zu dauerhaften, beiderseitig vorteilhaften Beziehungen führen kann.